via Exportabel

Die FAZ berichtet über ein eigentlich ganz angenehmes Einfamilienhaus. Die illustrierenden Bilder sind bezeichnend, vielsagend, zeitgenössisch. Exemplarisch sei das hier herausgegriffen:

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Eine Wohnküche, die Lebendigkeit ausstrahlen will. Wir sind keine greisen Senioren, nein, wir haben Kinder, und die tollen umher. Aber bitte nur ideell. Die Küche ist topaufgeräumt, keine Kinderzeichnung hängt an den zahlreichen Schranktüren, kein dreckiger Topf steht auf dem Herd, kein Glas an der Spüle, kein Papierchen, kein Essensrest, keine einzige Schliere. Auch kein Spielzeug. Dafür: eine aufgeschnittene Melone, die Gesundheitsbewusstsein und Frische und Authentizität demonstrieren soll. Die Familie ist zuhause, sie ist lebendig, sie wird gleich etwas Gesundes essen und lachen. Aber nur kurz, das ist effektiver. Als Karikatur des Ganzen steht die Wasserflasche mit Zitrone und Kräutern auf dem Tisch. Natürlich kein ordinäre Pet-Flasche, sondern ein Gefäß, für das man bei Manufaktum sicher eine Menge Geld bezahlt.

Bezeichnend auch das Mobiliar: Man hat eine Bank, denn anlehnen ist was für alte Leute und suggeriert Ausruhen, Bequemlichkeit, aber man ist ja offen, spontan, sportiv und auf dem Sprung oder der Karriereleiter. Der Tisch hat sicher eine angenehme Haptik, aber die wird nicht wohnnatürlich eingebunden, es wird auf um an dem Tisch kein Leben gestattet. Das Cleane ist Ideologie und Programm. Körperertüchtigung, gesundes Essen, alles fürs sogenannte körperliche Wohlergehen, das nicht von ungefähr an faschistische Ideale denken lässt.

 

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